Ein schönes Hobby

Mindestens ein Hobby sollte jeder haben. Und wenn man, so wie ich, keinen Wert darauf legt, seine knapp bemessene Zeit mit dem Konsumieren volksverblödender TV-Ausstrahlungen zu verbringen, bietet sich etwas an, das nicht nur einen Selbstzweck erfüllt, sondern je nach aktuellem Befinden den Wunsch nach Geselligkeit, Einsamkeit, Reisen, Bewegung oder technischer Herausforderung bedient.

Eine Möglichkeit dazu ist das Motorrad, bzw. das Motorradfahren.

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die Idee gekommen bin, nach zwei Jahrzehnten vierrädriger Mobilität doch noch den Motorradführerschein zu machen, aber bereut habe ich es ganz bestimmt nicht.

Nexus500

Nexus500

Der Einstieg erfolgte übrigens nicht direkt mit einem Motorrad, sondern mit einem Maxi-Scooter, der von den Fahreigenschaften her allerdings eher Motorrad denn Roller war.
Grund war der Umstand, dass ich im Rahmen meiner selbstständigen Tätigkeit ein Fahrzeug benötigte, mit dem ich einerseits meine Kunden in der Stadt aufsuchen konnte, ohne lange nach Parkplätzen suchen zu müssen, und andererseits in der Lage war auch außerorts bei freier Wahl der Strecke schnell genug zu den Kunden und wieder zurück zu gelangen.

Bereits unmittelbar nach der Anschaffung des Rollers entstand Kontakt zu Motorradfahrern in der Region und bald auch weit darüber hinaus. Dabei hat niemand, wie man zunächst annehmen würde, den Rollerfahrer belächelt oder auch nur ansatzweise anders behandelt, als andere Fahrer. Das lag unter anderem wahrscheinlich daran, dass der Roller in den Gruppenfahrten nicht das schlechteste Bild abgab. Im Gegenteil – die knapp 40 PS waren auf den Landstraßen des Sauerlandes und der Eifel vollkommen ausreichend, um mithalten zu können.

Abgesehen von mehrtägigen Touren nach Thüringen oder ins Weserbergland bei denen sich herausstellte, dass meinem Rücken das Fahren von Strecken über 300 – 400 km nicht gut bekam, setzte ich den Roller jedoch ausschließlich im Nahbereich und für Tagestouren in die Eifel ein.

Honda Transalp

Honda Transalp

Nach zwei Jahren kam ich dann eher zufällig, als geplant zu einer Honda Transalp, und nachdem ich zunächst beabsichtigt hatte, beide Fahrzeuge im Wechsel zu nutzen, stellte sich schnell heraus, dass der Roller kaum noch bewegt wurde. Ein zwei Jahre altes Fahrzeug in der Garage verrotten zu lassen, ist nun nicht unbedingt sinnvoll. Also wurde der Roller kurzerhand verkauft.

Nicht ohne Hindernisse, denn der spätere Käufer hatte das Pech, auf der Probefahrt die Bremsen zu unterschätzen und verwandelte das bis dahin einwandfreie Fahrzeug auf diese Weise in einen Totalschaden. Glücklicherweise blieb er, von einem kleinen Kratzer abgesehen, unverletzt. Die Angelegenheit handhabten wir fair – er zahlte mir Schadenersatz und übernahm das Fahrzeug zum Schrottwert.

Mittlerweile war ich, wann immer Zeit dafür frei war, sehr viel mit der Transalp unterwegs, und Fahrten über große Distanzen waren für meinen Rücken kein Probblem mehr. Dieser Umstand, sowie die Möglichkeit, sich mit einer Enduro auch abseits befestigter Straßen zu bewegen, ließ meine zweiräderige Zweckmobilität zu einem Hobby werden.

Gruppenfahrt

Gruppenfahrt

Die Dynamik, die beim Fahren in Gruppen entsteht, wie auch die Tatsache, dass man nicht wirklich überall dort, wo man gerne mag anhalten kann, um zu pausieren oder Fotos zu schießen, führte dazu, dass ich über die Jahre immer mehr dazu tendierte, alleine oder in Begleitung eines Freundes mit der Transalp zu fahren.

Als Reiseenduro ist die Transalp zudem ein Fahrzeug, mit dem man auch gerne mal dort fährt, wo der gemeine Motorradfahrer sich gewöhnlich nur unfreiwillig hin begibt: abseits der Straße.
Das geht unter anderem sehr schön im Bereich um den Braunkohletagebau Garzweiler herum, der nahezu menschenleer ist und zum Teil völlig legal befahren werden darf.

Aber auch die längeren Touren, meist über etwa eine Woche, zeigten, dass die Transalp die richtige Wahl war. Der Rücken blieb schmerzfrei, und das Fahren wurde zu einer entspannten Aktivität, wie ich sie aus Zeiten des Nexus nicht kannte.

Und weil die Maschine, seit 1988 unter anderem für Fernreisen gebaut wurde, ist die Technik so angelegt, dass man nahezu alles selbst warten und reparieren kann, was ich auch intensiv nutze – eine andere, für mich angenehme, Seite dieses Hobbys.

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